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Weihnachten im Pinzgau

Der Bachltag und die Besonderheiten des Heiligen Abends

Alle heiligen Zeiten. Ja, auch der Bachltag – wie wir den 24. Dezember im Pinzgau auch gerne nennen – gehört zu den heiligen Zeiten. Vieles, wonach wir uns unterm Jahres sehnen, ist an diesem Tag ein fester Bestandteil der Familientradition und macht Weihnachten für uns zu einem besonderen Fest der Verbundenheit. Tief verwurzelt mit der Geschichte von einst, bewahren wir die Werte der oft einfachen, jedoch sehr tiefgründigen Bräuche und geben sie auf ganz natürliche Weise an die nächste Generation weiter.

Anders, wie damals auf den oft abgelegenen und kargen Bauernhöfen des Pinzgaus, feiern wir heute gemeinsam mit unseren Gästen in stilvollen Speisesälen mit reichlich Gedeck, anstelle von einfachen Stuben, wo jeder seinen eigenen Löffel an der Wand hängen hatte. Was sich für uns jedoch nicht verändert hat, ist das traditionelle Mittagessen zu Weihnachten – das Bachlkoch.

Weihnachten im Pinzgau

Bachlkoch

Rezept für 4 Portionen

1 l Milch
80 g Mehl
1 Prise Salz

4 EL Butter
4 EL Honig

Zubereitung:

Für die einfache Mehlspeise wird die Milch gesalzen und in einem Topf oder einer Pfanne zum Kochen gebracht. Ist die Milch heiß genug, wird das Mehl langsam beigegeben und unter starkem Rühren mit dem Schneebesen eingekocht.

Hat das Bachlkoch die richtige Konsistenz erreicht, lässt man es noch etwas nachziehen, damit sich am Boden eine goldbräunliche Kruste – die sogenannte „Prinzn“ – bilden kann. Kurz vor dem Verzehr werden noch vier Esslöffel Honig und etwas geschmolzene Butter verrührt und über das Mehlkoch gegossen.

Früher war der 24. Dezember bis mittags ein strenger Fasttag, an dem es einiges zu tun gab. Während die Männer mit dem Schleifen der Messer und der Reinigung des Kamins beschäftigt waren, bereiteten die Frauen in der Küche die traditionelle Mehlspeise vor.

Das Bachlkoch ist ein sehr einfaches, bodenständiges Gericht bestehend aus drei ganz einfachen Zutaten: Milch, Mehl und Salz. Oft wurde das „Koch“ in Zeiten von körperlich harter Arbeit den Männern schon zum Frühstück serviert, um Kraft für den Tag zu haben. Durch den Verzehr am 24. Dezember bekommt es aber noch mal einen ganz besonderen Charakter, denn dann wird aus der einfachen Mehlspeise ein Festessen, zu dem jeder herzlich eingeladen ist.

Mit zerlassener Butter, Honig und oft auch etwas „Muas“ (ebenfalls eine sehr beliebte und sättigende Süßspeise der Bauern) verfeinert, sorgt es am Bachltag für ein richtig gutes Bauchgefühl. Nachdem zu guter Letzt auch die goldbraunen „Prinzn“ sorgfältig herausgekratzt wurde, waren alle Weichen gestellt, um in den Folgemonaten gesund zu bleiben. Nichts darf übrig bleiben – so sagt es der Brauch. Manch einer verfällt danach in eine wohlige Müdigkeit und verkürzt sich die Wartezeit aufs Christkind kurzerhand mit einem feinen Mittagsschläfchen.

Bachlschneid

Wie schon oben erwähnt, war der Vormittag des Bachltags erfüllt von wichtigen Aufgaben – unter anderem auch dem Schleifen der Messer.

Für die sogenannte Bachlschneid wurden alle Messer, Sensen und Sicheln zusammengetragen und in mühevoller Feinstarbeit gewetzt und geschliffen.

Der Schliff – oder die „Schneid“, wie wir es gerne zu sagen pflegen – vom 24. Dezember sollte ein ganzes Jahr lang halten und obendrauf noch richtig Glück bringen.

Ob sich die harte Arbeit auch ausgezahlt hat und man das ganze Jahr über „a guade Schneid“ und das Glück auf seiner Seite hat, zeigt sich noch am Heiligen Abend beim Anschneiden von Kletzenbrot und Speck.

Auf der Suche nach der Herkunft des Wortes „Bachl“, „Bachi“ oder „Bache“ tappt man jedoch bis heute noch im Dunklen.

Die einen tippen auf den Bach, der die Schmiede antreibt, andere auf das Backen des Kletzenbrots und für wieder andere ist klar, dass es mit dem vor Weihnachten geräucherten Schweinespeck zu tun hat. Wie auch immer, der Bachltag ist und bleibt bis zum Schluss erfüllt mit wichtigen Ritualen und köstlichen Speisen. Wo wir auch schon beim nächten Programmpunkt wären – dem „Rachn geh’“

Ehe sich dann alle für ein genussvolles Weihnachtsdinner und die Bescherung zusammenfinden, wird das ganze Haus ausgeräuchert. Ja, auch das „Rachn geh’“ an den Rauhnächte zu Weihnachten, Silvester und am Dreikönigstag ist ein fester Bestandteil unserer Tradition. Dabei gehen wir mit unserer Räucherpfanne von Raum zu Raum, durch das ganze Haus. Auch rund um das Haus und im Stall wird um Reinigung, Schutz und Segen gebeten.

Unsere Kräuterfee Sandra hat dafür bereits im Sommer kraftvolle Berg- und Wiesenkräuter gesammelt und daraus feine Räuchermischungen zusammengestellt. Wenn du gerne mehr darüber wissen möchtest, lies doch gleich in unserem Beitrag Räuchern in der Weihnachtszeit weiter und lass dich von der Magie der Rauhnächte verzaubern.

Die Eltern von Sandra, welche die Bäckerei Schroll führen, sind es übrigens, die uns jährlich in der Weihnachtszeit mit der nächsten Köstlichkeit verwöhnen – dem Kletzenbrot.

Bachllaib

Früher wie heute gehört das Kletzenbrot zu Weihnachten wie das Licht zur Dunkelheit. Damit das selbst gebackene Brot bis Weihnachten sein volles Aroma entfalten und auch schön saftig ist, wird es oft schon Mitte Dezember gebacken.

Dafür werden gedörrten Birnen (Kletzen) und Zwetschken, Feigen, Rosinen und gehackte Wal- und Haselnüsse mit Gewürzen wie Anis vermischt und in etwas Schnaps und Rum eingeweicht.

Die Füllung wird mit etwas Teig aus Roggen- und Weizenmehl, Sauerteig oder Germ und etwas Kümmel vermengt. Die fertig geformten Wecken werden zum Schluss mit einem gesonderten Teig umhüllt und gebacken.

Früher wurde das Gebildbrot mit diversen Heilzeichen verziert und mit Weihwasser gesegnet. Der erste Anschnitt war immer dem Hausherrn oder Bauern vorbehalten. Heute ist das Kletzenbrot auch ein traditionelles Weihnachtsgeschenk an die Patenkinder.

Nachdem du die Besonderheiten des Bachltag nun besser kennst und der Heilige Abend schon quasi vor der Türe steht, bleibt für uns nur noch eines offen – uns mit ein paar ganz persönlichen Worten an dich zu richten:

Wir wünschen dir ein besinnliches Weihnachtsfest, gemütliche Stunden mit deinen Liebsten und ein genussvolles Eintauchen in die 12 magischen Rauhnächte. Nutze die Zeit zwischen den Jahren ganz bewusst für dich und stimm dich ein auf ein neues Jahr der Möglichkeiten.

Wenn du magst, kannst du dir für jeden Monat einen Wunsch notieren und dich vom Leben überraschen lassen. Was du alles für dieses kleine Ritual brauchst, verraten wir dir in unserem nächsten Blogbeitrag.

Familie Gassner wünscht dir

Fröhliche Weihnachten

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